Mittwoch, 22. November 2017

Kurzkritik: Das St. Pöltner Haus der Geschichte

Ich habe bislang kein Museum und keine Ausstellung gesehen, die derart durch parteipolitische Interessen geprägt ist. Das entwertet auch jene - wenigen - Teile, die inhaltlich interessant sind. Als gesamtösterreichisches Geschichtsmuseum, das es gerne sein will, ist es durch seine auf Niederösterreich konzentrierte Sammlung nicht tauglich, als langer Erzählbogen durch Jahrhunderte zu lückenhaft und zu stark auf politische Geschichte konzentriert. Als Schau- oder Freizeiterlebnis bietet es zu wenig attraktive Objekte, es sei denn man hält einen Steyr-Traktor der 50er-Jahre für eine historiografische Mona Lisa.
Regelrecht unerträglich wird das Museum dort, wo es in den Wissenschaften differenziert diskutierte Fragen in ideologisch tendenziöser Absicht vereinseitigt. So wird die totalismustheoretische Gleichsetzung des NS-Terror mit der der Sowjetunion der Stalinzeit zum Schlüssel der Deutung des Zweiten Weltkrieges. Und der Schlussteil, der Raum mit der Zeit seit 1955, zum Fest der Niederösterreichischen Volkspartei. In Blau-Gelb. Buchstäblich.
Der Ex-Landeshauptmann - dem auch das jüngste Objekt gewidmet ist, ein Foto mit der Machtübergabe an seine Nachfolgerin, hat für ein Stück Geschichtspolitik gesorgt, das man - grade jetzt, grade in Zeiten wie diesen -, brauchen kann, wie einen Kropf.
Ein überflüssiges, ärgerliches Museum mehr. Keine Fahrt nach St. Pölten wert.

Eine ausführliche Kritik folgt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da hat offensichtlich jemand den Zusammenhang von Museum und Identität bzw. Identitätsschaffung verstanden. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung bzw. Erweiterung der Kritik - und heilfroh, dass ich mir dadurch erspare, mir das selbst anschauen zu müssen ...

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Vielleicht sollte ich Gebühren einheben für die Empfehlung Museumsbesuche zu meiden, als eine Art Anteil an der Reisekostenersparnis?

Anonym hat gesagt…

Da ist jemand wohl zu schnell durch die Ausstellung und hat dabei trotzdem Dinge gesehen, die nicht vorkommen. Schade, ein innovatives Projekt mit über 2.000 Objekten - davon sehr viele Highlights - und über 3.000 Quadratmetern Fläche auf einen Wandtext zu reduzieren. Schade, und ein wenig unprofessionell.

Gottfried Fliedl hat gesagt…

Es wäre schön wenn Sie erstens nicht anonym posten würden, wenn Sie nennen würden, was ich gesehen habe das nicht vorkommt, wenn Sie die Argumente erwidern würden und last but not least, wenn Sie zur Kenntnis genommen hätten, daß über dem Text "Kurzkritik" steht. Üben Sie sich in Geduld, da kommt noch was!