Sonntag, 23. Juli 2017

Ausstellungskritik als Kunstkritik

Das ist mal eine Kritik, wie ich sie mir wünsche, eine die etwas verständlich macht, aber nicht wegerklärt. Georg Seeßlen schreibt über die Ausstellung after the fact des Lenbachhauses. Hier: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/da-hilft-nur-kunst

Leseprobe:
Ein bisschen schwiemelig wird es dann immer, wenn jemand erklärt, was der Künstler oder die Künstlerin denn nun gemeint habe, wofür oder wogegen er oder sie sich in ihrem Werk ausspreche. So heißt es zur Installation The Lugubrious Game von John Miller, die Stehpulte mit Mikrofonen um einen Haufen mit Dildos, Tageszeitungen, Geldscheinen und so weiter gruppiert, sie ziele „auf gesellschaftliche Formen von Sublimierung im Spätkapitalismus“ ab und zeige „die Gameshow, das öffentliche Ringen um Reichtum und Berühmtheit, als eine eher bescheidene Maskierung unserer psycho-sexuellen und narzisstischen Triebe“, und da möchte man doch gern sagen: Nö! Hier hat ein Künstler Stehpulte mit Mikrofonen um einen Haufen Dildos, Tageszeitungen, Geldscheine und so weiter gruppiert, alles andere mache ich selber mit dem Kunstwerk und dem Rest der Welt ab.
Platt gesagt – und als großer Fan der Begegnung von Kunst, Theorie und Kritik: Eine Diskurs-Ausstellung sollte den Diskurs ermöglichen, ihn aber weder ersetzen noch vorwegnehmen.

Montag, 10. Juli 2017

Granitener Totenkult bis in alle Ewigkeit


Salt Lake City - Seit 1894 sammeln die "Heiligen der letzten Tage“, auch Mormonen genannt, Namen und Personalien Verstorbener. Über 400 Millionen Namen wurden bislang gesammelt. Die Daten liegen klimatisiert in einem 6000 Quadratmeter großen Archiv von Mikrofilmen in den Wasatch-Bergen in der Nähe von Salt Lake City. Nach ihrem Glauben ist es auch möglich, längst gestorbene Vorfahren durch einen Stellvertreter taufen und in die Mormonengemeinde aufnehmen zu lassen, damit sie wenigstens im Jenseits auf den richtigen Weg des Glaubens kommen können. Der Gründer der Mormonen hatte dazu aufgerufen, alle Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben zu taufen. Also werden die Daten so sicher aufbewahrt, daß sie „bis in alle Ewigkeit“ erhalten werden sollen. 

Im Schützengraben (Figurinen im Museum 110)

Musee Somme 1916

Verständigung (Figurinen im Museum 109)

Het Dolhuis. Haarlem. Niederlande

Freitag, 7. Juli 2017

Seitensprünge (6:Game of Thrones im Museum)




In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...

Mittwoch, 5. Juli 2017

Die Sammlung Essl ist "gerettet". Was nicht alles eine Rettung ist.

Erstens: „Stolz und glücklich“. Zweitens: „richtungsweisende Kooperation“. Drittens: „Win-win-Situation“.
Da ist von der „Übernahme“ der Sammlung Esel die Rede. Eindeutig. Alles gut, alle glücklich.
Oder war da was?

Fangen wir damit an: Was ist die Sammlung Essl - heute? Es heißt, es wurden zur Schuldentilgung wertvolle Objekte (die wertvollsten, in anderer Lesart, heißt die, die am Markt am meisten Rendite bringen) verkauft. Es gilt weitere hundert Millionen Euro Schulden, wenn ich mich recht erinnere, zu tilgen. Mit weiteren Sammlungsbeständen. Woraus besteht die Sammlung noch? Zahlen kursieren, von etwas über 7000 Inventarnummern ist die Rede. Wo die Schwerpunkte und Qualitäten der Sammlung nun liegen, who knows?
Und: Es soll Neuerwerbungen geben. Die wer bezahlt, ordert?
Sammlung Esel: Bekanntlich ist der Industrielle Hans Peter Haselsteiner Miteigentümer der Sammlung, der nun auch über Räume im Künstlerhaus verfügt, wo die Sammlung Essl gezeigt werden soll. Wer hat nun welche Verfügung, wer darf, will nun z.B. Themen setzten, kursieren oder Kuratoren bestimmen? Essl, Haselsteinen, Schroeder?
Der „Rest“, gemeint ist, was nicht in Wien gezeigt werden wird, soll den Bundesländern zur Verfügung stehen. Wieso (nur) der „Rest“. Wieso betrachtet man den Sammlungsbestand nicht als Fundus, aus dem gleichberechtigt diverse Orte, Museen bespielt, Kooperationspartner gewonnen werden könnten. Und wer führt Regie bei diesem Leihgaben-Karussell? (Übrigens ist das eine Idee, die schon im 19.Jahrhundert diskutiert wurde, „wiener“ Museumsbestände (jene von staatlichen Museen, Bundesmuseen) in die Länder zu bringen, um das Gefälle zwischen Hauptstadt und „Provinz“ auszugleichen).


Und wieso die Albertina? Wieso nun doch eine Art "staatlicher Übernahme", heißt "Sorge" um den Fortbestand einer privaten Sammlung, Sorge um ihre Zugänglichkeit. Mit erhöhten Mitteln mit befristeter Laufzeit. Und dann? Also, warum ein Bundesmuseum. Es sieht nach Männerfreundschaft(en) aus, Männer unter sich, sich auf einen Deal einigend. Kleiner Kollaterlschaden dabei: die Künstlervereinigung, der das Haus gehört, gibt Räumlichkeiten preis im Gegenzug zur Sanierung. Dabei kommt das Haus, die Architektur unter die Räder. Haselsteiner läßt abreissen. Über der Frage spaltet sich der Verein der Künstler. Ein Stück zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation wird beschädigt, beschädigt sich, um eine PPP zuwege zu bringen von der war was genau hat? Am meisten Essl und Haselsteiner, die Eigner einer Sammlung, deren Wert symbolisch und geldwertig steigt, wenn sie Museumsrang hat.

Die Albertina wird definitiv zum bunten Kunst-Bauchladen. Ihr von Schröder eigenwillig und eigenmächtig vollzogene Transformation von der Grafischen Sammlung zum (Gemäldemuseum) wird zementiert. Andere Museen, bei denen die (Teil)Integration der Sammlung Essl sehr wohl Sinn gemacht hätte, wurden gar nicht gefragt. Die frischbestellte Direktorin des Belvedere kritisiert das mit klaren Worten. Der angesprochene Minister beschädigt sich gleich selbst mit. Er schafft Tatsachen ehe sein "Weißbuch" zu den Bundesmuseen, ehe seine Neuordnung auch nur formuliert ist.

Unerwartete Gefahren im Museum (Texte im Museum 633)


Das Jüdische Museum der Stadt Wien kündigt der im Haus befindlichen Jüdischen Buchhandlung



Das Jüdische Museum hat den Pachtvertrag mit der im Haus befindlichen Buchhandlung gekündigt.
Die Wiener Zeitung hat das öffentlich gemacht - hier nachzulesen - und es gibt auch eine Unterschriftensammlung - hier - zur Rettung der Buchhandlung.

P.S.: Inzwischen, 24 Stunden später, ist klargestellt, daß es nicht um die Schließung der Buchhandlung geht, sondern um einen Pächter- und Konzeptwechsel, wie es sich anhört, ein wenig in Richtung Museumsshop.

Sokratische Frage Nr.27




Sie möchten im Museum arbeiten?

Ja?

Warum eigentlich?


Unfall

Louis Beroud:  L'inondation. Peintre copiant un tableau au musée du Louvre. Das Gemälde, das sich selbständig macht ist Rubens The Disembarkation of Marie de Medici at Marseilles 

Samstag, 1. Juli 2017

o. T.

Foto: Sergey Maximishin

Ist der Kapitalismus jetzt wirklich tot? Es gibt nämlich jetzt ein Museum über ihn

Tim Portlock, CA$H_4_GOLD. Courtesy of the Museum of Capitalism

"Countless academics have long foretold the end of capitalism. One artist duo, Andrea Steves and Timothy Furstnau, is bringing all that theorizing down to earth with a museum to memorialize the world’s premier economic and political system, should the end be nigh.

The Museum of Capitalism (MOC), which opened its door this month in Oakland, California, is dedicated to “educating this generation and future generations about the ideology, history, and legacy of capitalism,” the museum’s site states. Visitors are invited to reflect on capitalism as if they resided in a post-capitalist era.
The artists registered the domain Museum of Capitalism.org in 2010 after listening to a political theorist give a moving account of visiting the Apartheid Museum in Johannesburg, and speculate that a museum might also one day memorialize the end of capitalism. The duo set immediately to the task, with a mission of tying the economic system’s history to race, class, and the environment."

Hier gehts zum ganzen Artikel: https://qz.com/1015649/a-new-museum-is-preparing-people-for-the-downfall-of-capitalism/



Dienstag, 27. Juni 2017

Tröstlich (Figurinen im Museum 107)

(Quelle und Ort unbekannt)

Figurinen im Museum (106)

Museo della vita e delle tradizioni popolari sarde, Nuoro

Mittwoch, 21. Juni 2017

Seitensprünge (5:Kinderspaß im Volksgarten)

Ihr sucht noch nach Möglichkeiten, euer Kind/eure Kinder in den Sommerferien spannend und unterhaltsam zu beschäftigen? Dann seid ihr bei uns richtig! Im Rahmen von wienXtra kinderaktiv (WienXtra-kinderinfo) bieten wir wieder tolle Nachmittagsprogramme für 3- bis 6-Jährige im Burggarten. Weltmuseum Wien

In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...

Freitag, 16. Juni 2017

wenn es guade und bese geatna gibt, dann gibt es auch guade und bese museumsdirektorinnen

Dass es "guade und bese geatna gibt", wissen wir seit H.C.Artmann. Dass es guade und bese Museumsleiterinnen gibt, seit kurzem. Dank der Salzburger (Kultur)Politik. Einmalig (in meiner Erinnerung) ist die angekündigte Nichtverlängerung des Vertrages mit Sabine Breitwieser wegen ihres Umgangs mit dem Personal. Inzwischen wurde der Posten ausgeschrieben und jetzt (erst?) gibt Sabine Breitwieser bekannt, daß sie für eine weitere Amtsperiode (wie das so schön heißt) nicht zur Verfügung steht.



"Drehpunkt Kultur, die Salzburger Kulturzeitung im Internet" weiß außerdem vom drohenden bzw. schon stattgefunden Abzug privater Sammlungen und möglicherweise auch der Fotosammlung des Bundes (was mit ihrer Person nichts zu tun haben muß, oder?).

Damit wird ironischerweise Sabine Breitwieser, die an der Übersiedlung der Sammlung der Genrali-Foundation von Wien nach Salzburg maßgeblich beteiligt war, jetzt selber von den Unwägbarkeiten privater Sammlertätigkeit und -politik eingeholt. Denn Fotografis, die Fotosammlung der Bank Austria, wird aus Salzburg abgezogen. Und eine private Sammlung eines anonymen Sammlers (ja, auch so etwas gibt es in den öffentlichen Sammlungen) geht an die Kremser Kunsthalle (oder nicht doch an das geplante Moderne Museum ebendort?).

Montag, 12. Juni 2017

Seitensprünge (4:Aus Körnern wird Mehl)

"Ein wahres Paradies für Kinder sind die zahlreichen Workshops, wo unter Anleitung von Archäologiestudenten die Steinzeit gelebt wird. Aus Körner wird Mehl". Prähistorischer Naturpark Samara. Frankreich


In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...

Im Dreck (Figurinen im Museum 104)

Australian War Memorial and Museum. Canberra

Sonntag, 11. Juni 2017

Kleiner Fairnestest für Museumsleiter und prekär Beschäftigte


Diese sechs schönen Fragen hat Facebook angespült. Fragen zu einem Tabu. Über Geld redet man nicht, auch im Museum, vor allem dann, wenn man Sparzwänge und Vollrechtsfähigkeit zur Re-Finanzierung nach unten weiterreicht...
Ich füge noch eine siebente Frage hinzu: Welches Vielfache des Durchschnittseinkommens aller MitarbeiterInnen macht der Gehalt der Museumsleitung aus? Das Doppelte, mehr als das Dreifache, mehr als das Zehnfache...?

• Are your internships paid or unpaid?  (Every museum internship should be paid. Period. You can rationalize it any way you want, but if you are offering unpaid internships for the "experience" you are ripping people off, AND contributing to the lack of diversity in the museum field.)

• Do all your job listings list salary ranges? (If not, what are you ashamed of?)

• Is there pay parity between departments? (Do you really want to make the argument that development staff should be paid much more than exhibits or education staff?)

• Can your full-time staff actually support themselves on the salary you pay them? (Or do they need second jobs?)

• Do you delay (or "slow pay") contractors or freelancers? (Your institution expects work to be done in a timely way, so why shouldn't contractors have the same expectation about their pay?)

• Are you choosing employees because of their spouse's benefits, or deliberately holding down scheduled hours to avoid paying benefits?  (Not only are you skirting unfair labor practices if you are doing this, but you are a weasel if you are doing this!)

Figurinen im Museum 103

Air Terminal Museum Houston. Berufsbekleidung des Personals



Museologischer Verismus (Figurinen im Museum 102)

Leider nicht beschriftetes Foto. Zufallsfund in den unendlichen Weiten des Internets. Es wäre interessant, w e l c h e s Museum auf so ein Arrangement kommt?!



Figurinen im Museum 101

Museum Dordrecht



Figurinen im Museum 100

Achterhoeks-Museum. Badhoevedorp, Niederlande

Achterhoeks-Museum. Badhoevedorp, Niederlande

Freitag, 9. Juni 2017

Das proaktive Museum. Lektüre einer Tagungsausschreibung





  • How is audience research and evaluation helping to identify individual needs?
  • What does it mean to define target groups beyond demographic segmentation?
  • What are the challenges and barriers to include audience research results in institutional planning and strategic positioning?
  • How to align an organisation so that all departments feel responsible for audience development?
  • How can a fruitful balance be achieved between visitor focus and other key museum responsibilities?
  • What can trend research contribute to new audience development initiatives and how can it help shape a proactive museum for the future?

Eine Tagungsausschreibung. Für MuseumsmitarbeiterInnen.
Die ersten vier Punkte könnte man beliebig auf höchst unterschiedliche Unternehmen anwenden, denn deren Sinn ist eine der Profitmaximierung dienende Verhaltensuntersuchung und -beeinflußung. SPAR, ÖBB, AMAZON, MUSEUM.

Es geht um Konsum. Um einen Anbieter und um Kunden. Das hebelt von vornherein den sozialen Sinn des Museums als möglichst selbstbestimmte Teilhabe und Öffentlichkeit von vornherein aus. Konsum ist nicht Öffentlichkeit.

Dann wird unter dem Punkt fünf noch dazu die Besucherorientierung zu einer mit anderen gleichwertigen Funktion des Museums erklärt, die es "auszubalancieren" gilt. Der Besuch und der Besucher, Museumsöffentlichkeit, eine Aufgabe unter anderen? 

Statt Bildung in Teilhabe: Sozialtechnik. Das Verständnis vom Museum als Dienstleistungsbetrieb, der Kundenwünsche zu befriedigen hat, zerstört (vermutlich nicht proaktiv, sondern bloß ahnungslos) die historisch entwickelte gesellschaftlich-politische Rolle des Museums als Bildungsinstanz.

Und auch das: Der Teppich zum Einfallstor für die Privatisierung von Museen wird ausgerollt.

Berufliche Weiterbildung als Verbildung.

Eine Denkschönheit, gespendet von -: Kulturagenda.


Seitensprünge (3:Picknick)

Museums-Picknick im Grünen

Genießen Sie Kultur, Natur und Kulinarik mit unserem Museums-Picknick im Grünen: An vier Museumsstandorten kombiniert dieses feine Angebot spannende Führungen mit regionalen Köstlichkeiten aus dem Picknick-Korb Ihrer Wahl zu einem einmaligen Preis.

Angeboten wird das Museums-Picknick im Grünen für Schloss Eggenberg und seinen historischen Garten, das Jagdmuseum Schloss Stainz, den Österreichischen Skulpturenpark und das Rosegger-Geburtshaus Alpl.

Universalmuseum Joanneum 2017




In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...

Seitensprünge (2:Tauchgang)

Heute ist World Oceans Day! 
Wir haben zwar keinen Ozean vor der Haustür aber das Weltwunder von Gelatin im Garten. Der nächste Tauchgang findet beim Sommerfest am 7. Juli statt. (Museum des XXI. Jahrhunderts. Juni 2017. Quelle: Museumswebseite


(übrigens: Die Künstlergruppe schreibt sich "Gelitin", nicht Gelatin)


In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...

Seitensprünge (1:Babys ins Museum)

In einer Diskussionsveranstaltung in Linz hat jüngst Walter Grasskamp von einem Schwinden des Bildungsauftrages des Museums gesprochen und seiner Ersetzung durch "museumsferne" Veranstaltungen. "Museumsfern" ist meine Formulierung - Walter Grasskamp hat sehr sorgfältig und vorsichtig bewertete Veranstaltungen aufgelistet, von denen er meint, sie gehörten nicht zu den Museumsaufgaben. Ich stimme ihm zu und beginne mit einer Sammlung, die unter den "Museumsferne-Verdacht" fallen...



Baby-Eltern-Treff inklusive Kunsterlebnis! Das 21er Haus bietet Ausstellungsführungen für frischgebackene Eltern an, die ganz auf Ihre Bedürfnisse mit Baby (0 bis 1 Jahr) abgestimmt sind. In ruhiger und entspannter Atmosphäre widmen wir uns den performativen Skulpturen des Künstlers Erwin Wurm.
Wickeltisch und Fläschchenwärmer stehen zur Verfügung. Besuch mit Kinderwagen möglich, Tragehilfe empfohlen.

Dienstag, 30. Mai 2017

Doch keine ausländische Direktoren für Italiens Spitzenmuseen

2015 hat Italien Aufsehen erregt mit der Bevorzugung von Ausländern bei Leitungspositionen in namhaften Museen. Der Rumor im Land war ebenso groß wie die Aufmerksamkeit im Ausland. Einer der Berufenen war Peter Assmann, der an den Palazzo Ducale in Mantua ging.
Jetzt wurde er zum Anlaß einer Revision. Eine übergangene Bewerberin klagte - mit Erfolg. Denn man kennt in Italien eine Regelung, die Ausländer von Beamtung ausschließt, wenn es um Institutionen geht, die im nationalen Interesse liegen.
Die Regelungen wurden zwar geändert, aber Assmann bekommt seinen Posten nicht automatisch zurück - er ist nun ein Fall für den Staatsrat...

Endgültige Flucht (Texte im Museum 627)


Montag, 29. Mai 2017

Der Weg zum demokratischen Museum ist mit gutem Willen gepflastert. Wie gehts dem "Haus der Geschichte Österreich"?

Hundert Tage „Amtszeit“ der Direktorin des Wiener Hauses der Geschichte bieten verschiedenen Tageszeitungen Gelegenheit nachzufragen, wie es denn um das Museum so steht. Nun wird eine Leiterin eines solchen ambitionierten und umstrittenen Projekts kaum selbst Salz in die Wunden des Projekts streuen, sondern im Gegenteil alle kniffligen Probleme als „Vorteile“ sehen wollen. So wird Minister Ostermayers Entscheidung, das Museum in der Neuen Burg einzurichten, als eine Art Überbrückung dargestellt bis ein Neubau errichtet ist. Nur: Von einem Neubau war damals nie die Rede, sondern das was für die neue Burg vorgesehen war, sollte das Museum sein.
Seit nun der Nachfolger Ostermayers, Drozda, das Projekt finanziell um zwei Drittel gekürzt hat und einen Neubau Spiel brachte - natürlich ohne Standort, Zeitpunkt und Finanzierungsmöglichkeiten zu nennen -, ist eine merkwürdige Situation entstanden. Auf dem (Gesetzes)Papier gibt es Haus der Geschichte, aber in der Neuen Burg gibt es vorerst eine Ausstellung zur Republiksgründung. Was danach kommt, ist unklar. Weitere Ausstellungen? Ein provisorisches Museum?
Unlängst hat der Geschäftsführer des Kunsthistorischen Museums, dem die Räume gehören, in dem die Ausstellung stattfindet, gesagt, daß diese Räume für den Eigenbedarf hergerichtet würden. Das klingt danach, als rechne man mit einer Nutzung durch das KHM nach der Ausstellung.
Wenn jetzt Monika Sommer von ihren Vorstellungen spricht, was das Museum sein und leisten soll, sollte man immer im Auge behalten, daß von etwas die Rede ist, was es zumindest in naher Zukunft gar nicht geben wird. So zu tun, als baue man ein Museum auf, etwa durch das Anlegen einer Sammlung, schafft Tatsachen. Aber mit durchaus unsicherem Gewicht für noch fällige politische Entscheidungen.
Zwischen einer Ausstellung und einem Museum ist nun mal ein Unterschied. Ab dem November 2018 wird etwas gezeigt, was um ein bestimmtes Thema kreist, kein Längsschnitt der österreichischen Zeitgeschichte und man entkommt auch vorerst einem Problem, das eine Hypothek der Museumsidee darstellt: für die Ausstellung kann man weit unbeschränkter mit Leihgaben arbeiten, als später in einem Museum, dem ja eine Sammlung noch weitgehend fehlt. Man entkommt vorerst der Erwartung, eine Deutung des großen historischen Bogens der österreichischen Geschichte - programmatisch vorgesehen soll das mit der Mitte des 19.Jahrhunderts einsetzen -, und kann sich mit einer üblichen historischen Ausstellung begnügen.
Also haben alle Erläuterungen zum Konzept eines Museums einen Vorbehalt. "Ich verstehe“ sagt Monika Sommer im Standard vom 26.5. „das Museum des 21. Jahrhunderts als Reflexionsort. Diskurse werden hier angestoßen, aber nicht im Sinne eines Imperativs. Wir wollen die Diskussion zeigen und keine Bilder verfestigen." Sicher, das kann auch eine Ausstellung leisten, aber als Vorschau auf ein Museum ist das ungedeckter Scheck. Ob es je eine langfristig sich entwickelnde Institution geben wird, scheint mir weitaus ungewisser als zum Zeitpunkt als Minister Ostermayer in einem politischen und dezisionistischen Akt das Museum ins Leben rief.
In wenigen Monaten gibt es Nationalratswahlen und wie wahrscheinlich ist es, daß es über die Wahl hinaus inneren sehr wahrscheinlich neuen Regierungskonstellation eine Kontinuität in der Kultur- und Museumspolitik der Republik geben wird? Wer weiß schon, wie andere Parteien mit diesem Projekt - zwischen Abwicklung und ideologischer Instrumentalisierung - umgehen werden? Da könnte den „Erfindern“ des Projektes die für ein Bundesmuseum ganz ungewöhnliche Politikabhängigkeit ganz schön auf den Kopf fallen. Die direkte Ungebundenheit ans Bundeskanzleramt und das eindeutig der SPÖ zuzuordnende Umfeld, das das Museum protegiert und entwickelt, werden in einer anderen politischen Konstellation zur weiteren Hypothek fürs Museum. Die typisch österreichische Koalitionäre „Arbeitsteilung“ zwischen dem „konservativen“ Haus in St. Pölten und dem „sozialdemokratischen“ in Wien wird möglicherweise nicht mehr funktionieren.
Über das was alles an konzeptuellen Ideen angekündigt wird, wird man erst urteilen können, wenn die erste Ausstellung eröffnet wird. Dann erst wird man sehen wie Versprechen eines „demokratischen Museums“, eines Ortes wo „Identität verhandelt“ wird, eingelöst werden. Wie soll etwa das „Verhandeln“ aussehen, wenn es um die begriffliche Deutungshoheit über "Austrofaschismus" und "Ständestaat" geht? Das soll, liest man, nicht im Museum entschieden, sondern „offen zur Schau gestellt“ werden. Sommer: "Hier wird dann an die eigene Urteilskraft der Besucher appelliert“. Was mich dann interessieren wird, ob man Diskussionen „zeigen“ kann, ob es genügt konfligierende Fakten zu präsentieren oder ob es dann nicht auch neuer Gefäße bedarf, in denen sich der beschworene Diskurs überhaupt erst entfalten kann. Überhaupt klingt das danach, als könne sich das Museum auf eine wissenschaftlich gefestigte Position zurückziehen und die Deutung den Besuchern überlassen. Aber diese gefestigten wissenschaftlichen Positionen gibt es oft nicht und ein Museum kann nie der Deutung entkommen, die allein schon durch Wahl der Objekte, ihr Arrangement und ihre textliche Kommentierung unvermeidlich ist.
Was mich auch bei anderen Konzepten stört, hier aber ganz besonders, ist, wie sehr auf Jugendliche als Zielgruppe geachtet wird. „Die Jugend“ war nie hauptverantwortlich für all den gesellschaftspolitischen Schlamassel, den wir nachträglich als historisiert mit Entsetzen oder Kopfschütteln als „unsere Geschichte“ wahrnehmen. Wieso wendet sich das Museum nicht auch - und energisch - gerade an diejenigen, die in Entscheidungsfunktionen sind, an der Wahlurne, in Ämtern und Kammern, in Gemeindestuben, in Vorständen, in Familienbetrieben, in Landtagen…?
Mit der Fokussierung auf Jugendliche, so scheint mir, kommen gleich zwei fragwürdige Vorentscheidungen ins Museum. Einmal die, das Museum nicht wirklich ernsthaft als gesamtgesellschaftlichen Ort des Diskurses zu sehen wollen, sondern eher als pädagogische Anstalt, wo die jüngeren Generationen gleichsam zur Demokratie erzogen werden sollen. Und: steckt da nicht ganz pragmatisch die Strategie dahinter, wie andere Museen das auch tun, sich der Jugendlichen als zählbares Publikum zu versichern zumal die z.T. ja Zwangsbesucher sind, etwa als Schulklassen. Jedenfalls ist auffallend, daß hier die Pläne zur Rekrutierung - in Kooperation mit einschlägigen Organisationen - weitaus konkreter sind, als die, die Auskunft geben könnten, was denn das nun für ein Museum werden wird. Die Frage des Zeithistorikers Gerhard Botz nach der ideologisch-politischen Zielsetzung, also nach dem gesellschaftspolitischen Zweck des Ganzen bleibt ebenso unbeantwortet wie die Entscheidung (die daraus abzuleiten wäre), was es denn nun für ein Museumstyp werden soll: ein Museum der politischen also Herrschaftsgeschichte, der Sozial- oder Kulturgeschichte, eines der Lebenswelten der österreichischen Bevölkerung, eines der zunehmenden globalisierten Vernetzung des Landes?

Samstag, 27. Mai 2017

Mittwoch, 24. Mai 2017

Figurinen 92



Staatliche Aserbeidschanisches Kunstmuseum

Leise Revolution. Qualität statt Quantität

In einer Pressekonferenz hat Stella Rollig verschiedene Maßnahmen vorgestellt, die in nächster Zeit im Belveder und im XXI-er-Haus vorgenommen werden. Die Spitzenmeldung (im Standard) ist das Wegfallen des e aus dem ehemaligen Belvedere.
Ungerührter nimmt der Berichterstatter zur Kenntnis, daß, wie Stella Rolig es ausdrückt, "die Perspektive gedreht" werden soll. Statt auf immer neue Besucherrekorde Augenmerk zu haben, werde es eine offensive Vermittlungs- und Forschungstätigkeit geben.
Denn die Frage ist: "Wie gehen die Menschen wieder aus dem Museum hinaus? Was nehmen sie mit von ihrem Besuch?"
Das sollte man nicht unterschätzen. die peridisch veröffentlichten Museumstatistiken sind schon längst zum Mantra der Kulturpolitiker und Journalisten. Und davon verabschiedet sich jetzt das Museum.
Es ist das erste große Museum in Österreich, das erste Bundesmuseum jedenfalls, das sich von der Philosophie der Markt- und Marketingorientierung abwendet und ostentativ den - im Kern immer gesellschaftspolitischen - Aufgaben des Museums zuwendet.
Auf einer Tagung im Vorjahr hat Stella Rollig die generelle Verweigerung gefordert: Museen sollten keine Besuchsstatistiken mehr veröffentlichen.
Um so etwas durchzusetzen, müßten sich ihr andere Museen anschließen, das kann sie nicht alleine machen. Es wäre interessant zu sehen, wie Medien und Politik reagierten.

Kirmes (Figurinen im Museum 97)

"Thüringer Kirmes". Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg

Bäuerliches Leben mit Zentralheizung (Figurinen im Museum 92)

Rumänisches Volkskundemuseum Bukarest

Founding Fathers (Figurinen im Museum 91)

Die Unterzeichnrer der Verfassung im Constitution Center, Philadelphia

Sonntag, 21. Mai 2017