Samstag, 31. Januar 2015

Wegen ungünstigen Wetters musste die Bombardierung Venedigs abgesagt wwerden. Zur Geistesgegenwart von Museumsdirektoren (4)

Christian M. Ortner, Leiter des Heeresgeschichtlichen Museums in einem Artikel in der Wiener Zeitung vom 17.03.2010 über "den ersten militärischen Luftangriff der Weltgeschichte", der auf Wunsch Feldmarschalls Radetzkys mit eigens entwickelten Bomben von Ballons aus erfolgen sollte.

"Da wegen der bestehenden Windverhältnisse ein Start vom Festland aus nicht möglich war, wurden die Ballone auf den Raddampfer "Vulkan" verfrachtet, um sie von der Seeseite aus starten zu lassen. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch am 29. Juni 1849 explodierte die erste von einem Ballon getragene Bombe am 2. Juli in Murano. Obwohl auch weitere erfolgreiche Bombenabsetzungen gelangen, war der Aktion wegen Schlechtwetter und ungünstigen Winden letztlich kein allzu großer Erfolg beschieden." Obwohl doch, so Radetzky, "vor seiner Majestät dem Kaiser vollkommen befriedigende Versuche angestellt worden seyn sollen."

Erschreckt die Kleinen nicht! Zur Geistesgegenwart von Museumsdirektoren (3)

In der HGM-Ausstellung zum Ersten Weltkrieg sind viele Waffen zu sehen. Es wird aber kaum gezeigt, was diese Waffen anrichten. Ist das pädagogisch sinnvoll?

Es ist immer eine Gratwanderung. Ein Heeresgeschichtliches Museum ist kein Streichelzoo. Wir haben uns aber sehr genau überlegt, ob wir die Waffenwirkung, also etwa verstümmelte Kriegsopfer, zeigen sollen. Wir lernten dabei aus der Erfahrung englischer Kollegen, dass dieses „Effekthaschende“ sehr kontraproduktiv sein kann. Sie stellten etwa den Stellungskrieg an der Somme nach. Für einige Besucher war das beklemmend und bedrückend, für kleine Kinder aber total verstörend, sie weinten. Und Teenager hatten eine Riesenhetz.

DIE PRESSE interviewt den Direktor des Heeresgeschichjtlichen Museums Wien, Christian M. Ortner (13.09.2014)

Zur Geistesgegenwart von Museumsdirektoren (2). Noch einmal Christian Ortner im Gespräch

Ich finde das interessant: Wenn man heute sagt, dass man sich militärhistorisch mit dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigt, wird das akzeptiert. Sagt man aber, dass man sich mit den beiden Weltkriegen beschäftigt, wird man schief angesehen und das, obwohl prozentuell betrachtet der Dreißigjährige Krieg noch blutiger war.

DIE PRESSE interviewt den Direktor des Heeresgeschichjtlichen Museums Wien, Christian M. Ortner (13.09.2014)

Kleines Missverständnis. Über Geistesgegenwart bei Museumsdirektoren (1)

DIE PRESSE interviewt den Direktor des Heeresgeschichjtlichen Museums Wien, Christian M. Ortner (13.09.2014)

Herr Ortner, darf man Sie auch fragen . . .
(...)3 . . . welchen Ausstellungsgegenstand Sie gern hätten, wenn Geld und Eigentumsrechte keine Rolle spielen würden?

Im Bereich über Militärgeistlichkeit gibt es eine ganz kleine Madonna, die in eine Patronenhülse hineingearbeitet ist. Das war der Talisman eines Soldaten. Und er hat den Krieg überlebt. Das Stück hätte ich gern.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Museumsszene


Blinde Kinder im Museum of Natural History New York. 1914

Ich auch! Ich habe auch eine Idee für ein "Haus der Geschichte"!

Ich auch! Ich möchte auch eine Idee haben und lancieren dürfen für ein Haus der Geschichte! So viele schöne Ideen, da kommt es doch auf eine mehr oder weniger auch nicht an. Es lebe die Konkurrenz der guten & schönen Ideen!
Und meine Idee ist überhaupt die beste! Denn sie hat den Vorteil, daß es das Haus schon gibt, sogar eine Sammlung und einen Ort, der ein Gedächtnisort wie kaum ein anderer ist!
Ich schlage vor, das Heeresgeschichtliche Museum im Arsenal zum Haus der Geschichte (auf den Titel kommts mir nicht so an, es kann ruhig auch Österreichisches Geschichtsmuseum oder so heißen...) zu machen. Wenn für die Neue Hofburg gelten soll, daß es der geschichtsträchtigste Ort Österreichs überhaupt ist (so sagt man neuerdings), dann gilt dieser animistische Glaube an die Emanation des Geschichtsbewußtseins aus dem Geist einer Lokalität erst recht auch für das Arsenal.
In einer Panikattacke von Herrscherhaus und Militär sofort nach 1848 geplant und angesichts seiner enormen Größe in erstaunlich kurzer Zeit realisiert, sollte diese autark funktionierende Festung (eigene Energieversorgung, eigene Waffenschmiede, eigenes Munitions- und Waffendepot, Kasernen, Kirche usw., was man halt so braucht für eine Gegenrevolution) allen "künftigen Unfällen eines Volksaufstandes" (ich zitiere aus den Quellen) vorbeugen, assistiert von Kasernen im Stadtzentrum (von denen eine ja noch steht).
Da hätten wir also einen Ort, der wie kein zweiter mit einem Ereignis kontaminiert ist, das man als einen Art Geburtsort der Negativität des Österreichischen bezeichnen könnte. Eine Formulierung, die mir angesichts des Umstandes einfällt, daß der Radetzkymarsch notorisch das letzte und immer auch begeistert beklatschte, rhythmisch vom Publikum im Marschtakt begleitete Stück ist, das beim so genannte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gespielt wird. 1848 also. Die bürgerliche Revolution und ihre militärische Niederschlagung.
Radetzky, dessen Marsch gespielt wird, war jener Feldherr, der die Revolution definitiv damit beendete, daß er das sich erhebende Italien auf dem Schlachtfeld besiegte. Und wie! Den Nachschub an Soldaten und Material sowohl in das ebenfalls aufständische Ungarn und nach Italien sicherte das unweit der einschlägigen Bahnhöfe errichtete Arsenal, von dem man aber auch, auf Grund seiner Lage, Wien mit Geschützen beschießen und mit tausenden kasernierten Soldaten (die Kasernen sind heute Wohnungen) hätte angreifen können.
 Mehr Geschichte geht also gar nicht. Und dann. Das Haus selbst und seine Ausstattung, die verschiedenen archäologischen Schichten seiner Nutzung und Bespieleng, seiner Ausstattung und Dekoration, seiner Sammlungen und Ausstellungen. Vieles davon ist hier präsent, wie das Gesamtkunstwerk des Museumsbaues als ideologisch-ästhetischem Zentrum, errichtet aus Ziegeln und Marmor, Kalkstein und Gold, Fresken und Ornamenten. Was für eine Verherrlichung des Kaisertums und der sie buchstäblich stützenden Armee - ein militärisches Pantheon aus vielen - ausschließlich adeligen - Heerführern (inklusive Andreas Hofer), darüber die Ruhmeshalle mit den Fresken unter der mächtigen Kuppel... Die Nutzung des Hauses im 1. und die erst recht propagandistische im 2. Weltkrieg, die "Rekonstruktion" nachden Bombardements der Alliierten und die Ausstellung der 50er-Jahre. Was für eine üppige Speisekarte der österreichischen Kriegs-, Herrschafts-, Mentalitäts- oder Kunstgeschichte! Was könnte man daraus nicht alles machen! Ein partizipativ-interventionistisch-diskursives Eldorado der analytischen Durchdringung, der kritischen Aufarbeitung, der intelligent popularen Vermittlung!
Wo es in der Neuen Burg an haptischen, sinnlichen, aufregenden, fesselnden Objekten so sehr fehlen wird, da verspricht hier, im Arsenal, eine große Sammlung Anschaulichkeit, visuelle Vermittlung, ästhetische Brückenschläge zum Geschichtsverständnis. Dort der anämische Vorschlag, mit den Papieren einer Bibliothek und eines Archivs das Haus der Geschichte zu bestücken, die Üppigkeit der lange gewachsenen Sammlung des Heeresgeschichtlichen Museums. Was es hier nicht alles gibt! Das eroberte Zelt eines türkischen Heerführers, den Katalfakt Prinz Eugens, den Wagen, in dem EH Franz Ferdinand erschossen wurde, das Sofa, auf dem Dollfuß verblutete (angeblich), riesige Kanonen, aus denen wirklich geschossen wurde, Ballon-Abwurfbomben, die man 1849 auf Venedig abwarf - leider, muß man sagen, mit wenig Erfolg. Herrlich! So viel Geschichte zum anfassen! Das hat niemand sonst zu bieten und kein Sammlungsbudget eines neuen Museums könnte so etwas herbeizaubern.
Das sind die guten Nachrichten. Die schlechteren sind die, daß das Museum in einem horriblen Zustand sind. In weiten Teilen ist es seit der Zeit unverändert, als ich an der Hand meines Großvaters (Offizier der Reserve der schweren Artillerie, wegen Defätismus degradiert - ich bin stolz auf meine Großväter, der andre türmte von der Dolomitenfront, und nach dem, was allein er erzählte, völlig zu Recht) dieses Museum betrat. Es luegt in verstaubt-depressivem Schlummer, nur der lange vernachlässigten Zeitgeschichte hat man sich in den letzten Jahrzehnten gewidmet.
Außerdem hat es einen Leiter, der das alles beharrlich hegt und pflegt und dem nicht aufzufallen scheint, daß in andren einschlägigen Museen die Uhren in jeder Hinsicht völlig anders gehen. In Dresden zum Beispiel. Oder in London. Wurscht. Er ist Direktor in Wien. Da darf er. Unbehelligt.
Kurzum: Das Museum müßte völlig umgekrempelt werden, umbenannt, aus seiner militaristischen Codierung wie aus einem Würgegriff befreit. Also. Erst einmal alles ausräumen und dann die Fenster aufreißen. Und lange, sehr laaaange lüften. Die Panzer vor und hinter den Gebäuden dürfen bleiben. Dazu fällt uns schon noch was ein.
Und dann stellen wir in die leeren Räume Sofas, wirklich bequeme Sofas, freiwillig von der bildungswilligen Bevölkerung gespendet, die dann kommt und dort sitzt und diskutiert über die Frage: welches Museum brauchen wir? Welches Museum brauchen wir sicher nicht.
Da wirds dann gar nicht so wichtig sein, daß das Heeresgeschichtliche Museum ein staatliches Museum ist, aber eines, das der Herr Klug verwaltet und nicht der Herr Ostermeyer, der die Bundesmuseen verwalten darf. Warum soll das Bundesheer und das einschlägige Ministerium nicht offen für die Durchlüftung unserer Geschichtskultur sein? Anderswo gibts das ja auch. Siehe Dresden. Siehe London.
Schön, und nachdem wir dort in unseren Sofas miteinander diskutiert haben und gestritten und aufgeregt und Ideen hatten und Pläne (was machen wir mit dem Andreas Hofer, was mit dem Modell der Viribus Unitis, was mit der blutigen Uniform von Franz Ferdinad, dessen Blut wie in der Erzählung "Das Gespenst von Canterville" von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden muß?), beginnt das Einräumen, das Einräumen eines Hauses, wie wir es wollen und wo wir uns endlich - und hochaktuell - mit der Frage beschäftigen: warum kommt eigentlich immer alles so, wie es keiner von uns wollte? 


Mittwoch, 21. Januar 2015

pro und contra (Texte im Museum 509)

Gesehen im Ashmolean Museum Oxford (2015. Foto: GF)

"Redimensionierung". Letzter Einspruch (Anmerkung zu "Sterbebegleitung fürs Weltmuseum")

Stellungnahme
zur Entscheidung der Verkleinerung des Weltmuseums Wien
Pressekonferenz des Bundesministers Dr. Ostermayer vom 19.
Jänner 2015
Das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der
Universität Wien und das Institut für Sozialanthropologie an
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geben
folgende Stellungnahme zur Verkleinerung des Weltmuseums
Wien ab, wie es anlässlich der Pressekonferenz von 19.Jänner
2015 durch den Herrn Bundesminister Dr. Ostermayer gem
mitgeteilt wurde:
1. Wir erachten die Entscheidung weder fachlich, noch
sachlich begründet. Es handelt sich ausschließlich um eine
massive Verschiebung von Räumen weg vom Weltmuseum.
Wir vermissen jegliche museologischen beziehungsweise
sozialanthropologischen Überlegungen, die für ein
zukunftsweisendes Konzept unerlässlich wären.
2. Wir verwahren uns gegen die Aussage des Herrn
Bundesministers, dass unsere Kritik durch die Interessen
einer kleinen wissenschaftlichen Gemeinschaft geprägt war.
Tatsächlich ist sie von namhaften, internationalen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern getragen, welche
nicht nur die Sammlungen von Weltrang hervorhoben, sondern
ebenso die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung
solcher Museen in der heutigen Zeit.
3. Unseres Erachtens erfolgte diese Entscheidung nicht nur
im Interesse eines Hauses der österreichischen Geschichte
sondern ebenso in jenem des Kunsthistorischen Museums. Durch
den gemeinsamen Eingang mit den anderen KHM-Sammlungen im
Corps de Logis und durch die Herrschaft des KHM im
Hochparterre befürchten wir, dass das Weltmuseum Wien nicht
mehr als solches wahrgenommen und nur noch als eine der
kunsthistorisch definierten Sammlungen des KHM aufscheinen wird.
4. Mit Bedauern stellen wir fest, dass das Einverständnis
des Direktors des Weltmuseums Wien, Dr. Steven Engelsman, zu
dieser Lösung, nicht im Interesse des Weltmuseums und nicht
im Interesse der Museumslandschaft an einem UNO-Sitz wie
Wien ist.
Univ.Prof.Dr. Elke Mader, Vorständin Institut für Kultur-
und Sozialanthropologie der Universität Wien
o.Univ.Prof.Dr. Andre Gingrich, Direktor Institut für
Sozialanthropologie an der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften
a.Univ.Prof.Dr. Thomas Fillitz, Koordinator der Tätigkeiten,
Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der
Universität Wien

S. den Post "Sterbebegleitung fürs Weltmuseum" http://museologien.blogspot.co.at/2014/12/sterbebegleitung-furs-weltmuseum.html

"Redimensionierung"

Heute von Steve Engeksman gepostet: Skizze zur Redimensionierung des vin ihm geleiteten Weltmuseums. Mehr fälklt mir dazu im Moment auch nicht mehr ein.

Freitag, 2. Januar 2015

Share with us!


How to critisize

Daniel Dennett: "How to compose a successful critical commentary."

"1. You should attempt to re-express your target’s position so clearly, vividly, and fairly that your target says, “Thanks, I wish I’d thought of putting it that way.
2. You should list any points of agreement (especially if they are not matters of general or widespread agreement).
3. You should mention anything you have learned from your target.
4. Only then are you permitted to say so much as a word of rebuttal or criticism.
This will "transform your opponent into a more receptive audience for your criticism or dissent, which in turn helps advance the discussion."


Gefunden via Facebook bei Barbar Kirshenblatt-Gimblett, die noch hinzufügte: "One must be committed to solving the problem rather than winning the argument!"